Meinrad Spieß


Meinrad Spieß wurde als Matthäus Spieß 1683 im schwäbischen Honsolgen, heute ein Ortsteil von Buchloe geboren. 1695 kam er als Sängerknabe in die Lateinschule des Benediktinerklosters Irsee, nach fünf Jahren kam er in das Kloster Ottobeuren. 1701 kehrte er nach Irsee zurück, legte hier die Profeß ab und nahm den Ordensnamen Meinrad an. 1706 und 1707 wurde er in Irsee bzw. Augsburg zum Subdiakon, Diakon und Priester geweiht, im Januar 1708 feierte er im Kloster Irsee seine Primiz. Von 1709 bis 1712 war er als Kompositionsschüler bei Giuseppe Antonio Bernabei in München, um 1713 in das Kloster Irsee zurückzukehren, wo er die Funktion des Chordirektors übernahm. Zeitweise erfüllte er im Konvent auch die Ämter des Subpriors, Ökonoms, Pfarrvikars und Novizenmeisters sowie zeitweise auch das Priorat. 1750 gab er das Amt des Chordirektors an Anselm Schwink ab. Nachdem er 1752 seine Jubelprofeß und 1758 sein 50jähriges Priesterjubiläum gefeiert hatte, starb er am 12. Juni 1761 im Kloster Irsee.

Bereits zu Lebzeiten fand Spieß Aufnahme in Walthers Musikalisches Lexikon, dennoch ist über sein Wirken nur wenig bekannt. 1743 wurde er von Lorenz Christoph Mizler als einziges süddeutsches Mitglied in dessen "Correspondierende Societät der musikalischen Wissenschaften" aufgenommen, die die erste musikwissenschaftliche Vereinigung darstellte und zu der ein streng ausgewählter Kreis von jeweils höchstens zwanzig hochrangigen und angesehenen Musikern zählte. Unter anderen gehörten ihr auch Telemann, Bach, Händel und Graun an. In einem von ihm selbst erstellten Werkeverzeichnis listet Spieß acht im Druck erschienene Werke auf, von denen hier das Opus 2 vorgelegt wird. Weitere Werke für den kirchlichen Gebrauch sind handschriftlich überliefert. Sein wichtigstes Werk ist der 1745 erschienene "Tractatus musicus - Über die Grundlagen der Komposition", eine Kompositionslehre, welche noch heute in Exemplaren in den Bibliotheken von Cambridge, London, Paris, Moskau und New York erhalten ist. Spie? gehört am Ende der Barockzeit der letzten Komponistengeneration an, die vor dem Aufkommen großer Orchesterwerke kleinbesetzte barocke Instrumentalwerke schuf.



Werke


Vesperpsalmen op. 2: "Cithara Davidis Noviter Animata"
für 4 Vokalstimmen (SATB, Soli: SATB), 2 Violinen, Violone und Basso Continuo (241 S.)

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Partitur/GesamtausgabeCH201004
ISMN 979-0-50248-079-0
€ 48,80